Warum ich irgendwann gemerkt habe, dass noch ein Buch nicht die Antwort ist.
Ich habe schon immer gerne gelesen. Wenn mich ein Thema interessiert, tauche ich tief ein. Bücher, Podcasts, Workshops, Onlinekurse. Es gab eine Zeit, da habe ich fast alles mitgenommen, was kostenlos oder interessant klang. Vor allem rund um Persönlichkeitsentwicklung, Psychologie, Spiritualität und den Körper.
Mit jedem Buch hatte ich das Gefühl, wieder etwas Neues verstanden zu haben.
Irgendwann kam jedoch ein Punkt, an dem sich vieles wiederholte. Die Inhalte an sich waren nicht schlecht, sie waren tatsächlich meistens sehr gut. Aber ich merkte, dass ich zwar immer mehr wusste, sich in meinem eigenen Leben aber gar nicht so viel veränderte.
Ich konnte erklären, warum ich in bestimmten Situationen so reagierte. Ich verstand meine Muster und kannte die Theorie. Aber ich lebte sie noch nicht.

Verstehen und erleben sind zwei unterschiedliche Dinge
Erst während meiner ersten Ausbildung wurde mir klar, wie groß der Unterschied zwischen Wissen und Erfahrung eigentlich ist. Dort ging es nicht nur darum, noch mehr Informationen zu sammeln, sondern auch wirklich den Körper mit einzubeziehen durch den sehr hohen praktischen Anteil .
Nicht nur darüber zu sprechen, wie sich Grenzen anfühlen könnten, sondern sie tatsächlich wahrzunehmen. Nicht nur zu wissen, was Sicherheit bedeutet, sondern sie im eigenen Körper zu erleben. Ich war in Prinzip gezwungen jede Woche meine „Hausaufgaben“ zu machen, wenn ich die Zertifizierung wollte, und wirklich auch persönliche Erfahrung zu sammeln.
Und genau dort wurden mir Dinge bewusst, die ich vorher trotz all der Bücher nie gesehen hatte. Weil mir eben nicht Wissen gefehlt hätte. Weil Erfahrung etwas anderes ist als Verstehen.
Warum Wissen allein oft nicht ausreicht
Wenn ich auf die letzten Jahre zurückblicke, habe ich nicht das Gefühl, dass uns Wissen fehlt. Im Gegenteil. Ich glaube, wir wissen heute so viel wie noch nie. Es gibt unzählige Bücher, Podcasts und Onlinekurse. Wir können innerhalb weniger Minuten herausfinden, warum wir so reagieren, wie unser Nervensystem funktioniert oder weshalb bestimmte Muster entstanden sind. Das Wissen ist für jeden frei zugänglich.
Und trotzdem erzählen mir viele Frauen etwas Ähnliches. Sie verstehen ihre Geschichte. Sie kennen ihre Muster. Sie können oft sehr gut erklären, warum sie in bestimmten Situationen so reagieren. Und trotzdem fühlt es sich nicht wirklich anders an.Ich glaube, genau das ist der Punkt, an dem Wissen an seine Grenzen kommt.
Etwas zu verstehen ist nicht dasselbe, wie es zu erfahren.
Wenn wir über Jahre gelernt haben, unsere Bedürfnisse zurückzustellen, stark zu sein oder Gefühle lieber wegzuschieben, dann verändert sich das nicht automatisch, nur weil wir heute wissen, warum es so ist. Unser Verstand kann etwas längst verstanden haben, während unser Körper noch etwas ganz anderes erlebt.
Das zeigt uns sehr deutlich, dass Veränderung oft etwas mehr braucht als eine neue Erkenntnis.
Genau das begegnet mir immer wieder
Viele Frauen, die zu mir kommen, haben sich bereits intensiv mit sich selbst beschäftigt. Sie haben gelesen, reflektiert oder waren schon in einer Therapie. Sie bringen oft ein großes Verständnis für sich selbst mit. Und trotzdem fällt irgendwann ein Satz wie:
„Ich weiß das eigentlich alles schon.“
Oder:
„Ich verstehe, warum ich so reagiere. Aber ich komme trotzdem nicht raus.“
Ich höre diese Sätze oft. Ich glaube, dass viele Frauen gar nicht noch mehr Informationen brauchen. Sie brauchen einen Ort, an dem das, was sie bereits verstanden haben, auch erlebt werden kann.
Warum ich körperorientiert arbeite
Genau deshalb spielt der Körper in meiner Arbeit auch eine so große Rolle. Ja, Gespräche und Kopfarbeit sind sehr wichtig, ein perfekter erster Schritt so zu sagen. Aber manche Dinge verändern sich erst, wenn wir sie erleben.
Ich muss dabei oft an das Schwimmen denken. Natürlich hilft es zu wissen, wie eine Schwimmbewegung funktioniert. Aber niemand würde auf die Idee kommen zu sagen, dass ein Buch ausreicht, um schwimmen zu lernen. Irgendwann muss man ins Wasser. Genau dann macht der Körper seine eigenen Erfahrungen. Und ich glaube, dass es bei vielen Themen in unserer persönlichen Entwicklung ähnlich ist. Wissen kann Orientierung geben. Wirklich lernen können wir manches aber erst, wenn wir es erleben.
Wenn wir zum Beispiel spüren, wie sich eine klare Grenze im eigenen Körper anfühlt. Oder wie es ist, für einen Moment nichts leisten zu müssen. Solche Erfahrungen lassen sich schwer beschreiben. Man muss sie machen.
Was ich selbst daraus mitgenommen habe
Ich lese bis heute unglaublich gerne und bilde mich regelmäßig weiter. Das hat sich nicht verändert und sehr wahrscheinlich werde ich mich weiterhin mein Leben lang weiterbilden. Was sich verändert hat, ist die Art, wie ich neues Wissen betrachte.
Mich interessiert heute nicht mehr nur, ob etwas logisch klingt. Ich möchte wissen, wie es sich anfühlt. Deshalb probiere ich alles zuerst selbst aus. Ich möchte nichts weitergeben, das ich nur aus Büchern kenne, denn ich habe selbst erlebt, wie groß der Unterschied zwischen Verstehen und Erleben sein kann.
Mein Gedanke zum Schluss
Ich glaube, Wissen ist ein wichtiger Anfang. Es kann Orientierung geben, Zusammenhänge erklären und neue Perspektiven eröffnen. Aber manchmal braucht es mehr als eine Erkenntnis. Manchmal braucht es eine Erfahrung.
Wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass dich dieses Thema schon länger begleitet und du dir Begleitung wünschst, findest du über mein Kontaktformular einen einfachen Weg, mit mir in Verbindung zu treten. Manchmal hilft schon ein erstes Gespräch dabei, herauszufinden, was gerade wirklich gebraucht wird.
Auf Instagram teile ich regelmäßig Gedanken zu Embodiment, Womb Work, Nervensystem und den Fragen, die mich in meiner Arbeit immer wieder beschäftigen. Wenn du meine Art zu denken magst, freue ich mich, wenn wir uns dort begegnen.
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